Handreichungen zur Typographie:

Fraktur

Bis nach dem Ersten Weltkrieg wurden die meisten Bücher im deutschen Sprachraum in Fraktur gedruckt. Danach setzten sich auch hier die heute gebräuchlichen Antiqua-Schriften durch.

Hervorstechendes Merkmal der Fraktur-Buchstaben – hier als pdf-Datei – sind die »gebrochenen« Senkrechten, die rautenförmigen Füßchen, die stets mit der Spitze auf der Grundlinie stehen, und, besonders ausgeprägt bei den Großbuchstaben, die rüsselförmigen Auszüge:

Eine Besonderheit der Fraktur ist das lange »s«; das uns vertraute runde »s« tritt im Fraktur-Satz nur am Ende von Wörtern oder Silben auf.

Dem Antiqua-Leser machen meist einige Buchstaben Schwierigkeiten, die auf den ersten Blick sehr ähnlich scheinen (die kleine Lesehilfe steht auch als pdf-Datei zur Verfügung):

Anders als beim U zieht sich die Öffnung des A oben zum Hals zusammen.

Das B unterscheidet sich vom V durch den durchgezogenen Mittelsstrich.

Gleiches gilt für R und N.

Das lange s hat im Gegensatz zum f an der Mittellinie kein Fähnchen nach rechts.

Das k trägt an der Oberlänge stets eine kleine Schlaufe, die dem t fehlt.

Die rechte Senkrechte des y hat, anders als beim n, kein Füßchen. Sie läuft nach links unten über die Grundlinie hinweg in einer feinen Spitze aus.

Das x schließlich unterscheidet sich vom r durch die kleine Schlaufe am linken Fuß.

Und nun zum Vergleich in der Garamond, einer Antiqua-Schrift:

Die meisten wichtigen Werke der deutschen Literatur sind in Fraktur zum erstenmal veröffentlicht worden, und viele ältere deutschsprachige Texte liegen nur in dieser Druckschrift vor.

Germanisten müssen Fraktur daher lesen können. Aber auch allen anderen sei die kleine Mühe empfohlen, sich einzulesen: Es gibt viel zu entdecken.

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